Kurzgeschichte 1 | Meine Lieblingstierblume.

Mein Faible für Wortneuschöpfungen begann in meiner Kindheit. Ich erinnere mich gut, wie ich unermüdlich Wörter und Kosenamen erfand, in der festen Überzeugung, niemand zuvor sei je auf diese Kombination gekommen. Es war eine meiner Lieblingsbeschäftigungen und die Lust an Neologismen ist mir bis heute erhalten geblieben. Was also lag näher, als für mein berufliches Wirken einen gänzlich neuen Begriff zu kreieren?

Und so kam ich auf Monkeyflor.

Mein Lieblingstier und tierischer »Mentor« ist der Bonobo-Affe, der mich, als der unangefochtene Hippie unter den Menschenaffen, durch seine Aufgewecktheit, seine Anpassungsfähigkeit und seine ausgesprochen soziale und friedfertige Art immer schon beeindruckt hat. Teil eins meines Firmennamens war damit gesetzt.

Teil zwei geht zurück auf meinen Geburtsnamen und auf eine Schulhofszene aus den Neunzigern: Handshake links, Handshake rechts, dazu eine lässige Ghettofaust – so besiegelten eine Handvoll Zehnjähriger damals meinen Kosenamen »Affenblume«. Erst im Erwachsenenalter fand ich heraus, dass es diese Blume tatsächlich gibt. Die auch als Gauklerblume bekannte Pflanze, lat. Mimulus, verdankt ihren Namen wohl ihren fröhlich bunten Blüten. Wie passend!

Meinen zweiten Spitznamen erhielt ich in Brasilien. Dort, im Land der Verniedlichungen, tauften mich meine brasilianischen Freunde auf den Namen »Florzinha« (Blümchen), wobei sie noch lieber die Kurzform »Flor« benutzten. Da die zehnjährige »Affenblume« immer noch ein Teil von mir ist, und zwar der Teil, der über Wiesen tanzt, auf Bäume klettert und nicht müde wird, die Welt zu verbessern, im Kern jedoch eine neue Kultivierung stattfand, ein neuer Lebensrhythmus und ein polykulturelles Selbstverständnis, erschien mir die bilinguale Wortzusammensetzung Monkeyflor als Oberbegriff für mich und mein Wirken wie gemacht.